26. Oktober – Wissen wir noch, was Frieden wert ist?

 



26. Oktober – Neutralität, Freiheit und Frieden. Wissen wir noch, was das bedeutet?

Gedanken zum österreichischen Nationalfeiertag von Alfred Bischof – Liedermacher

Heute, am 26. Oktober 2026, feiern wir unseren österreichischen Nationalfeiertag. 71 Jahre sind vergangen, seit Österreich seine immerwährende Neutralität beschlossen hat.

Am 26. Oktober 1955 verabschiedete der österreichische Nationalrat das Neutralitätsgesetz. Österreich verpflichtete sich, keinem militärischen Bündnis beizutreten und keine fremden Militärstützpunkte auf seinem Staatsgebiet zuzulassen.

Einen Tag zuvor war die Frist für den Abzug der alliierten Besatzungstruppen abgelaufen. Nach zehn Jahren Besatzungszeit war Österreich wieder ein souveräner Staat.

Aber was bedeutet das eigentlich für uns heute?

Wir kennen den Krieg – aber nur aus Erzählungen

Ich gehöre zu einer Generation, die das große Glück hatte, in Frieden aufzuwachsen.

Wir kennen den Zweiten Weltkrieg aus Geschichtsbüchern, Dokumentationen, Filmen und aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern.

Wir haben von den schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus gehört, von Hitler, von Stalingrad, von zerstörten Städten, gefallenen Soldaten und unzähligen unschuldigen Menschen, die ihr Leben verloren haben.

Auch meine Eltern haben mir immer wieder Geschichten aus dieser Zeit erzählt.

Aber ich frage mich heute:

Haben wir wirklich verstanden, was diese Menschen durchmachen mussten?

Können wir, die in den 60er-, 70er- oder 80er-Jahren geboren wurden, überhaupt nachempfinden, was Krieg, Angst, Hunger und Unfreiheit bedeuten?

Oder ist für uns vieles einfach nur Geschichte geworden?

Vielleicht haben wir uns zu sehr daran gewöhnt, dass Frieden und Freiheit selbstverständlich sind.

Doch das sind sie nicht!

Unsere Neutralität – ein Stück österreichischer Geschichte

Ich höre immer öfter Diskussionen darüber, ob unsere Neutralität noch zeitgemäß ist.

Manche sagen, sie schütze uns nicht vor einem Krieg. Andere meinen, Österreich müsse sich militärisch stärker mit anderen Staaten verbinden.

Natürlich schützt uns die Neutralität nicht automatisch vor jeder Bedrohung. Das hat auch niemand versprochen.

Und selbstverständlich muss sich Österreich verteidigen können. Genau deshalb haben wir unser Bundesheer.

Ich persönlich finde, dass wir die Landesverteidigung über viele Jahre zu wenig ernst genommen haben. Heute merken wir, wie wichtig es ist, auf mögliche Bedrohungen vorbereitet zu sein.

Aber müssen wir deshalb unsere Neutralität infrage stellen?

Ich glaube, wir sollten zuerst wieder verstehen, warum wir sie überhaupt haben.

Sie ist nicht einfach irgendwann vom Himmel gefallen.

Sie war Teil eines schwierigen historischen Weges zurück zu Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung.

Und ich finde, mit diesem Erbe sollten wir verantwortungsvoll umgehen.

Das bedeutet nicht, dass wir über Sicherheitspolitik nicht diskutieren dürfen. Im Gegenteil! Wir müssen darüber sprechen.

Aber bitte mit allen Fakten, mit gegenseitigem Respekt und ohne Angst als ständigem Begleiter.

Wenn wir nicht mehr miteinander reden, wird es gefährlich

Es gibt einen Gedanken, der mich besonders beschäftigt.

Was passiert, wenn Menschen, Regierungen und ganze Staaten aufhören, miteinander zu sprechen?

Wenn man nur noch übereinander redet, aber nicht mehr miteinander?

Ich glaube, genau dort beginnt eine gefährliche Entwicklung.

Natürlich müssen wir Unrecht beim Namen nennen. Gewalt, Unterdrückung und Angriffskriege dürfen nicht einfach hingenommen werden.

Aber miteinander zu reden, bedeutet doch nicht, alles gutzuheißen, was der andere tut!

Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Man kann klare Grenzen setzen. Man kann sich verteidigen und trotzdem versuchen, im Gespräch zu bleiben.

Für mich ist Diplomatie keine Schwäche.

Im Gegenteil: Es braucht manchmal sehr viel Mut, auch mit jenen Menschen zu sprechen, deren Handlungen man entschieden ablehnt.

Ich wünsche mir, dass Österreich auch in Zukunft ein Land bleibt, das Brücken baut, Gespräche ermöglicht und sich für friedliche Lösungen einsetzt.

Denn eines ist für mich klar:

Frieden entsteht nicht dadurch, dass wir aufhören, miteinander zu reden.

Was würde Jesus dazu sagen?

Ich bin ein gläubiger Christ. Das ist ein Teil meines Lebens und meiner persönlichen Überzeugung.

Und gerade beim Thema Frieden denke ich oft an die Worte Jesu:

„Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ (Matthäus 26,52)

Dieser Satz beschäftigt mich.

Natürlich weiß ich, dass unsere Welt komplizierter ist und dass ein Staat die Verantwortung hat, seine Bevölkerung zu schützen.

Aber dürfen wir deshalb die Botschaft der Nächstenliebe vergessen?

Jesus hat uns gelehrt, unseren Nächsten zu lieben.

Doch wer ist eigentlich unser Nächster?

Nur der Mensch, der genauso denkt wie wir? Der dieselbe Sprache spricht, dieselbe Herkunft oder denselben Glauben hat?

Oder ist es nicht gerade auch der Mensch, der anders ist als wir?

Ich glaube, wir sollten uns diese Frage viel öfter stellen.

Die Zukunft Österreichs beginnt bei uns selbst

Wenn wir über die Zukunft unseres Landes sprechen, wird oft darüber diskutiert, wer in Österreich lebt, wer zu uns kommt und wie sich unsere Gesellschaft verändert.

Dabei sollten wir eines nicht vergessen:

Wir alle tragen Verantwortung dafür, wie unser Österreich morgen aussieht.

Wir können nicht ständig auf andere zeigen und gleichzeitig erwarten, dass sich alles von selbst zum Guten entwickelt.

Wir müssen selbst etwas dafür tun.

Unsere Werte leben. Unsere Kinder begleiten. Verantwortung übernehmen. Respekt zeigen. Unsere Kultur pflegen, ohne andere Kulturen abzuwerten.

Und vor allem sollten wir wieder lernen, einander zuzuhören.

Es ist nicht entscheidend, ob jemand in den 50er-, 60er-, 70er-, 80er-Jahren oder später geboren wurde.

Entscheidend ist, was wir aus unserer Geschichte lernen und was wir daraus für die Zukunft machen.

Was haben uns unsere Großeltern hinterlassen?

Vielleicht sollten wir gerade heute, am Nationalfeiertag, einen Moment an jene Menschen denken, die Krieg, Verfolgung, Not und die schwierigen Jahre danach erlebt haben.

An unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern.

An Menschen, die vieles verloren haben und trotzdem wieder Hoffnung schöpfen mussten.

An jene, die unser Land wieder aufgebaut haben.

Wir müssen nicht jede Entscheidung früherer Generationen gutheißen. Auch die österreichische Geschichte hat dunkle Kapitel, denen wir uns ehrlich stellen müssen.

Aber wir können aus ihren Erfahrungen lernen.

Und vielleicht sollten wir uns öfter fragen:

Was würden jene Menschen sagen, die einen Krieg tatsächlich erlebt haben, wenn sie unsere heutigen Diskussionen hören könnten?

Würden sie uns nicht daran erinnern, wie kostbar Frieden ist?

Glaubt an euch – glaubt an Österreich!

Als Liedermacher schreibe ich Lieder über das Leben.

Über Freude und Sorgen, über Hoffnung, über menschliche Schwächen und manchmal auch über Dinge, die in unserer Gesellschaft schieflaufen.

Ich möchte mit meiner Musik nicht nur unterhalten, sondern gelegentlich auch zum Nachdenken anregen.

Eines meiner Lieder heißt „Du schaffst all’s“.

Und genau daran glaube ich.

Ich glaube an die Menschen in unserem Land.

Ich glaube daran, dass wir Herausforderungen gemeinsam bewältigen können, wenn wir einander zuhören, respektieren und nicht ständig gegeneinander arbeiten.

Ich glaube an unsere Jugend und an die kommenden Generationen. Auch wenn ich mich selbst manchmal noch zu den Jungen zählen möchte. (Ein bisschen darf man ja träumen! 😄)

Und ja, ich glaube auch an Gott.

Ich wünsche mir ein Österreich, das seine Geschichte kennt, seine Freiheit schätzt und seine Neutralität nicht leichtfertig aufs Spiel setzt.

Ein Österreich, das sich verteidigen kann, aber immer zuerst nach friedlichen Lösungen sucht.

Ein Österreich, in dem unterschiedliche Meinungen Platz haben, ohne dass wir einander deshalb zu Feinden erklären.

Denn Frieden beginnt nicht erst zwischen Staaten. Frieden beginnt auch im Umgang miteinander.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses 26. Oktober.

Nicht nur die rot-weiß-rote Fahne zu hissen, sondern sich bewusst zu machen, wofür sie steht.

🇦🇹 Glaubt an euch. Glaubt an das Gute. Glaubt an ein friedliches Österreich.

Ich wünsche euch allen einen wunderschönen österreichischen Nationalfeiertag!

Herzliche und musikalische Grüße aus Feldkirch in Vorarlberg.

Alfred Bischof
Liedermacher mit Herz – Lieder aus dem Leben, zum Lachen, Zuhören & Nachdenken.

🎸 Mein Lied „Du schaffst all’s“ und mein musikalischer Feiertagsgruß:

https://youtu.be/kZ55EO8Qb-Y

🌐 https://www.bischof-liedermacher.at

 

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